Die Leere – Gedankensplitter

Du lachst wieder!
Deine Freunde.
Sie sind erleichtert.
Die Haare.
Ein wenig grauer.
Aber wozu gibt es.
Haarfarbe!
Normalgewicht.
Wieder.
Und du verstrahlst.
Lebensfreude.
Ganz offensichtlich.
Krebs.
Die furchtbare Diagnose.
Vor über zwei Jahren.
Der Kampf.
Er war hart.
Operationen.
Chemotherapie.
Zwei deformierte Brüste.
Und dein Mann.
Der dich im Stich ließ.
Nach ein paar Monaten.
Eine verstümmelte Frau.
Die wollte er nicht.
Auch wenn er es nicht zugab…

Ein Jahr später.
Da hattest du es geschafft.
Die Brüste.
Kosmetisch operiert.
Wie neu…
Und die Nachuntersuchungen.
Viermal im Jahr.
Die fürchtest du nicht mehr.
Weil du deinen Körper kennst.
Mittlerweile.
Wie einen Freund.
Fast.
Und wenn du hineinhorchst.
In dich.
Dann würde er dir sagen.
Wenn der Krebs zurück wäre…
Geblieben nur.
Ein paar Narben.
Du trägst keine Bikinis mehr.
Das macht nichts.
Die Perücke.
Die du getragen hast.
Die liegt auf deinem Kosmetiktisch.
Du betrachtest sie.
Jeden Tag.
Und erinnerst dich.
An die Zeit.
Als du keine Haare hattest.
Auch keine Wimpern.
Auch keine Brauen…

Es geht dir gut.
Ehrlich.
Du trinkst das Leben.
Und doch…
Manchmal.
Wenn du daheim bist.
Dann spürst du die Leere.
In dir.
Wie ein Loch.
In das du fallen könntest.
Manchmal.
Da fürchtest du dich.
Vor allem.
Vor dem nächsten Morgen.
Vor dem Leben.
Vor dem Krebs…
Du.
Bist nicht mehr dieselbe.
Nein.
Auch wenn deine Freunde sagen.
Schön.
Du bist wieder ganz die alte!
Nein.
Das stimmt nicht.
Dein Ex-Mann.
Der dich verlassen hat.
Er riss dieses Loch.
In deine Seele.
Sein verletzender Abgang.
Als er dich im Stich ließ…
Du brauchst ihn nicht.
Nicht mehr.
Du hast es geschafft.
Ohne ihn.
Und doch…
Diese Leere…

Vivienne/Gedankensplitter

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