Ein Kuss vom Frühling

Wenn ich einmal nicht friere…
Dann muss das schon ein besonderer Tag sein.
Ein ganz besonderer…
Die Sonne bricht durch.
Am Vormittag.
Umfängt mich.
Mit offenen Armen.
Wie ein Liebhaber.
Lange vermisst.
Einen Moment.
Da stehe ich am Fenster.
Das ich geöffnet habe.
Blicke lauschend hinunter.
In die Stadt.
Hastende Menschen.
Frühlingsboten in der Blumenhandlung.
Schnee liegt noch genug.
Aber da liegt etwas in der Luft.
Ich fühle es.
Sanft.
Zart.
Elektrisierend.
Ein Kuss vom Frühling…

Später komme ich heim.
Die Katze.
Sie liegt im Wäschekorb.
Ganz versteckt.
Und sie gähnt.
Als ich sie begrüße…
Frühjahrsmüdigkeit?
Frage ich mich.
Es wäre noch zu früh.
Meine ich.
Es wäre noch zu früh…
Meine Fransen.
Sie hängen traurig herunter.
Zum Friseur sollte ich wieder.
Unbedingt.
Und wieder färben.
Blond.
Was sonst…?
Ich lächle still.
Und der Putztrieb.
Er packt mich.
Im Licht der Sonne.
Taucht manches auf.
Das ich übersehe.
Geflissentlich.
Wenn der Tag träge dahin schleicht.
Bei Lampenlicht.
Und Kälte…

Sieh da!
Geht doch!
Alles wieder recht manierlich!
Der Kaffee tut mir gut.
Aber die Sonne versteckt sich.
Unter einer gräulichen Wolkendecke.
Der Kuss vom Frühling.
Er hielt wohl nicht lange an.
Und er selbst…
Er hat die Flucht ergriffen.
Schon wieder.
Und es soll schneien.
Morgen…
Ich seufze.
Und doch.
Die Macht des Winters.
Sie ist schon gebrochen.
Der Kuss.
Er ist vielleicht verpufft.
Aber ich spüre ihn noch.
Nach wie vor.
Und als ich heim ging.
Vorhin.
Da meinte ich ihn zu riechen.
Den Frühling.
War da nicht ein Vogel?
Weg ist er!
Vielleicht.
War das der Frühling.
Vielleicht war er es.
Und er sandte mir den Gruß.
Den ich in meinem Innersten bewahre.
Heute noch.
Und morgen…

Vivienne

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