Das enge Kleid der Sorge

Der Mond.
Er füllt sich.
Stetig.
Vor einer Woche.
Da zeigte er sich noch.
Als bezaubernde Mondsichel.
Fast liegend.
Filigran und schmal.
Die Zeit vergeht…
Die Sorge.
Sie ist mit mir.
Mal mehr.
Mal weniger.
Ich trage sie wie ein Kleid.
Viel zu eng.
Sie schnürt mir die Luft ab.
Sie engt mich ein.
Eine schwere Last…
Aber ich kann sie nicht ablegen.
Ich muss sie tragen.
Weiter.
Wer weiß wie lange…

Der Frühling.
Er hüllt mich ein.
Er berührt mich.
Zärtlich.
Schmeichelnd.
Und einen Moment.
Da vergesse ich die Enge.
Die Enge der Sorge.
Die mich nach Atem ringen lässt.
Immer wieder.
Ich gebe mich der Wärme hin.
Die das Land erfasst.
Die die Blumen aus der Erde lockt.
Mit großer Kraft.
Ein wenig träumen…
Ich wage es kaum.
Nein.
Ich bin wie ein Stein.
Ich kann mich nicht freuen.
Ich kann auch nicht weinen.
Nicht mehr.
Ich fresse alles hinein.
Und trage die Maske der Belanglosigkeit.
Wer ahnt schon?
Was in mir vorgeht?
Es kümmert mich nicht.
Was wissen sie schon?
Was ich fühle?
Was in mir brennt?

Die Nacht.
Sie legt sich auf die Stadt.
Ganz sanft.
Und ich bin wieder ruhiger.
Vielleicht ein Abend der Harmonie.
Vielleicht ein paar Stunden…
Kostbar.
Kostbarer denn je…
Eine Tasse Kaffee.
Der Versuch.
Mein Innerstes aufzutauen.
Das Eis zu lösen…
Ich muss scheitern.
Natürlich.
Das Eis in meinem Innersten.
Das bricht kein heißer Kaffee.
Das bricht der Frühling.
Vielleicht.
Wenn er mich erblühen lässt.
Wie eine Blume.
Wenn er mich aus dem Schnee holt.
Unter dem ich liege.
Verborgen.
Wie tot.
Bis ich aufsteige.
Im Licht der Sonne.
Im Schein des Glücks…

Vivienne

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