Henrietta

Geschieden!
Hurra!
Endlich frei!
Ihr Kopf vibrierte.
Vor Glück.
Sie zitterte.
Vor Freude.
Zehn Jahre.
Abgeschlossen.
Die nur mehr eine Belastung waren…
Ihr Ex.
Er sah sie kurz an.
Als alles vorbei war.
Dann ging er hinaus.
Wortlos.
Er hatte es nicht glauben wollen.
Bis zuletzt.
Unbegreiflich.
Wie man so dumm sein konnte!
Eine Ehe.
In der nichts mehr gelaufen war.
Gar nichts mehr…
Schon gar nicht sexuell.
Aber das.
Das wollte sie ändern.
Sofort.
Ganz schnell…

Ein neuer Look.
Die langen, braunen Locken.
Jetzt Rötlich gefärbt.
Ein neues Outfit.
Und jede Menge Dates!
Jede Menge Liebhaber!
Sie war ja so hungrig.
Auf ihre Körper.
Sie war begierig.
Sie zu fühlen.
An ihren Lippen.
An ihren Brüsten.
In ihrem Unterleib.
In ihr tobte der Eros.
Durchgevögelte Nächte.
Und verrückte Gewohnheiten.
Ohne Unterwäsche in die Arbeit.
Nur im kurzen Rock.
Aber der nette Kollege.
Er erhörte sie nicht.
Ausgerechnet der!
Er wies sie zurück.
Entschieden!
Das war bitter.
Denn eigentlich.
Hatte sie alles nur für ihn getan.
Einschließlich Scheidung.
Aber er.
Er blieb merkwürdig distanziert.
Und sie tröstete sich.
Mit dem nächsten Lover…

Billig?
So hatte sie eine Kollegin genannt.
Hinter vorgehaltener Hand.
Sie tobte.
Die waren doch alle verklemmt.
Nur neidig!
Und hatten nichts zum Herzeigen.
Vertrocknete Schachteln…
Die Zahl der Verehrer.
Sie ließ nach.
Spürbar.
Sie war auch müde.
Das musste sie zugeben.
Etwas übersättigt.
Die Nächte waren kurz gewesen.
Im letzten Jahr…
Viel zu kurz.
Sie trug wieder Unterwäsche.
Und sie hatte wieder einen Freund.
Eine tolle Kondition hatte er.
Keine Frage.
Er bekam nicht genug von ihr.
Aber er war anhänglich.
Eine Klette.
Wollte zusammenziehen.
Mit ihr.
Bald schon.
Sie redete es ihm aus.
Immer wieder.
Er musste nicht alles wissen.
Ein paar Lover nebenbei.
Die brauchte sie.
Um sich begehrt zu fühlen.
Und sexy…
Er allein…
Er war ihr zu wenig.
Zu wenig auf Dauer…
Bis er dahinter kam.
Plötzlich.
Ein Nachbar hatte geredet.
Verplappert…
Wüste Szenen.
Beschimpfungen.
Streitereien.
Ohrfeigen.
Und dann war er weg.
Für immer…

Sie war jetzt oft allein.
Sie sah alt aus.
Wenn sie vor den Spiegel trat.
Und sich betrachtete.
Ringe.
Falten.
Alles zum Überschminken.
Graue Strähnen im Haar.
Trocken und brüchig.
Und der eine Kollege.
Er sah sie gar nicht mehr an.
Oder er schüttelte den Kopf.
Über sie!
Komischer Kerl!
Der ließ doch auch nichts anbrennen!
Nie!
Ein paar Tränen.
Verschmierte Wimperntusche.
Hatte sie wirklich übertrieben?
Wie manche sagten.
War es nicht verständlich?
Dass sie nachholte?
Was ihr gefehlt hatte?
So lange Zeit?
War sie nicht attraktiv?
Und begehrenswert?
Das durfte sie doch auskosten!
Kopfschmerzen.
Die letzten Monate.
Ein Rausch.
Aber die Nacht war vorbei.
Der Morgen dämmerte schon…

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