Wendepunkt – Gedankensplitter

Achim ging aus dem Haus.
Senta.
Seine Frau.
Rief ihm noch nach.
Hast du den Schal mit?
Achim lächelte gequält.
Er trug einen Schal.
Natürlich…
Bei dem Wetter…!
Senta war so fürsorglich.
So fürsorglich.
Dass es ihn nervte.
Oft.
Wie lange waren sie verheiratet?
Letzten April.
Da waren es zwanzig Jahre gewesen.
Die beiden Töchter.
Sie gingen ins Gymnasium.
Mit wechselndem Erfolg…
Achim seufzte laut.
Als er in den Bus stieg.
Senta.
Er kannte sie ewig.
Quasi aus der Sandkiste…
Und wenn er sich erinnerte.
Es war so süß gewesen.
Wie sie sich verliebt hatten.
Damals.
Der erste Kuss.
Die erste gemeinsame Nacht.
Prickelnd.
Wie Sekt.
Erregend…
Aber die Erinnerung.
Sie war verblasst.
Wie ein altes Foto.
Und das Gefühl…
Es kam einfach nicht zurück!

Der Bus schunkelte durch die Straßen.
Sein Gedanken kreisten…
War es die Schuld von Senta?
War es seine?
Senta.
Sie war eine Glucke geworden.
Und sie hatte zugelegt.
Aber selbst das.
Wäre nicht das Problem gewesen.
Ein Problem war.
Ihr Desinteresse an Sex.
Die Langeweile.
Die sie verbreitete.
Und vor allem ihre Dauerwelle…
Furchtbar.
Der Bus bremste abrupt.
War es das?
Senta?
Bis ans Ende aller Tage?
Keine Perspektive mehr?
War das alles gewesen?
Alles?
Eine laute Stimme.
Sie brüllte es in ihm…

Er erschrak.
Stand halb auf.
Sein Sitznachbar.
Er starrte ihn an.
Entgeistert.
Achim atmete schwer.
Dann lächelte er.
Verlegen.
Und setzte sich wieder.
Egal.
Was der Typ von ihm dachte…
Fragen wie diese.
Hatte er sich oft schon gestellt.
Sehr oft sogar.
Aber noch nie.
Hatte er die Panik verspürt.
So wie jetzt.
Eben.
Wenn sich jetzt nichts änderte…
Nein.
Falsch.
Wenn er sich nicht änderte…
Dann würde es so bleiben.
Für immer.
Und ehrlich.
Die Vorstellung.
Dass es blieb.
Wie es blieb…
Die war einfach unerträglich…

Vivienne/Gedankensplitter

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