Putzwut

Frühling.
Frühlingssonne.
Direkt durch das Fenster.
Jedes Stäubchen.
Jedes Katzenhaar.
Man kann es erkennen.
Gleichsam vergrößert.
Messerscharf.
Und so kommt es über mich.
Abwasch.
Katzenklo.
Wäsche…
Und den Katzenhaaren.
Sage ich den Kampf an.
Und wenn ich ehrlich bin.
Ich tu es gerne.
Denn das Putzen.
Es hält mich auch vom Denken ab.
Vom Grübeln…
Die letzten bangen Tage.
Da ließ ich manches liegen.
Was wegegehört hätte…
Mein Gott!
Alle Hoffnung vergebens.
Und nun…
Nun mache ich Ordnung.
Nicht nur in der Wohnung.
Auch in meinem Leben…

Ich räume viel weg.
Heute.
Es ist.
Als hätte ich die Kraft wieder.
Die mir solange fehlte.
Ich war gelähmt.
Irgendwie.
Und nun…
Ein anderer Lebensabschnitt.
Ein ganz neues Leben…
Denn das Leben geht weiter.
Wer immer auch jetzt fehlt.
Für immer…
Und darum Putzlappen.
Staubtuch.
Besen.
Dann geht es leichter.
Dann spüre ich den Schmerz nicht so.
Ich bin in Bewegung.
Und das tut gut…
Die Katze.
Sie sieht mich groß an.
Wie ich runtergehe.
Mit aussortierter Kleidung.
Mit Tonnen Zeitung.
Reklame.
Alles raus!
Und die Fenster.
Die kommen nächste Woche dran!

Man kann nicht davon laufen.
Vor der Wahrheit.
Vor der Realität.
Das stimmt schon.
Aber besser.
Als gefangen.
Im tiefen Schmerz.
Gefesselt regelrecht.
Besser.
Als dasitzen und weinen.
Mag sein…
Du bist stark.
Sagte ein Freund zu mir.
So stark…
Ich könnte das nicht…
Ich wische weiter.
Eifrig.
Stark?
Mag sein.
Die letzten Jahre.
Ich ging durch die Hölle.
Und die Hölle geht weiter…
Was kann man schon tun?
Außer weitergehen?
Und natürlich…
Putzen…

Vivienne

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