Du isst nichts

Job und Haushalt?
Kein Problem!
Kein Problem für dich!
Du managt das.
Mit Bravour.
Seit vielen Jahren.
Und perfekt.
Immer da.
Für die anderen.
Für deinen Mann.
Für die Kinder.
Und nun auch für dein Enkelkind.
Dein erstes.
Du hast das so gelernt.
Groß geworden.
In einer großen Familie.
War dir das vertraut.
Wie selbstverständlich.
Du wolltest das auch.
Immer.
Nicht wahr?

Kann sein.
Dass du es wolltest.
Einmal.
Jung.
Blind vor Liebe.
Es war nicht leicht.
Nie.
Auch jetzt nicht.
Drei Kinder.
Ein großer Haushalt.
Und die Schwiegermutter.
Du hast sie gepflegt.
Fast fünf Jahre.
Und bis trotzdem arbeiten gegangen.
Fünfzehn Stunden.
Dein Job.
Deine einzige Freude.
Du würdest gerne mehr arbeiten.
Mehr Stunden.
Brauchst du nicht!
Sagt dein Mann.
Fürsorglich lächelnd.
Wir haben doch genug!
Du nennst ihn.
Deinen Mann.
Aber mit Vornamen.
Redest du nicht von ihm.
Nicht mehr.
Es ist dir abhanden gekommen.
Immer mehr.
Als wäre eine Mauer.
Zwischen euch.
Selbst dann.
Wenn er dich küsst.
Wenn er schläft.
Mit dir.
Und er merkt es nicht einmal…

Manchmal.
Da geht ihr essen.
In ein feines Lokal.
Bestell dir was du möchtest!
Sagt dein Mann.
Und probier diesen Wein!
Was für ein Bouquet!
Du bestellst dir einen Salat.
Meistens.
Aber du isst nichts.
Nein.
Der Kellner.
Er räumt ab.
Hat es geschmeckt?
Du nickst.
Ja.
Wundervoll!
Dein Mann.
Er sagt kein Wort.
Er lächelt nur.
Redet Belangloses.
Caro bringt die Kleine morgen.
Du siehst doch nach ihr?
Ja.
Du tust es.
Obwohl du lieber lesen würdest.
Oder shoppen.
Oder einfach einmal spazieren gehen.
Alleine.
Ohne irgendjemanden…

Aber wen kümmert das?

Vivienne

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