Der Schlüssel zum neuen Leben

Ein Jahr ist es her.
Ich bekam die Schlüssel zu meiner Wohnung.
Genau ein Jahr.
Ich erinnere mich so gut.
Ein Mittwoch.
Wunderschönes Sonnenwetter.
Und ich war ein wenig nervös…
Schließlich war das Prozedere vorbei.
Und ich betrachtete meine Schlüssel.
Glücklich.
Ein neues Leben wartete auf mich.
Ein ganz neues Leben…

Ein Jahr ist nun vorbei.
Ein Freitag.
Gemischtes Wetter.
Mal scheint die Sonne.
Dann wieder Regengüsse.
Meine Wohnung ist eingerichtet.
Bunt und gemütlich.
Lebensfroh…
Mit viel Grün.
Ein Jahr.
Zerschlagenes Geschirr.
Eine Freundschaft zerstört.
Für immer.
Eine andere Freundschaft wieder auferstanden.
Fast aus dem Nichts.
Dazwischen?
Leid und Tränen.
Wut und Enttäuschung.
Und die Erkenntnis.
Vertraue niemandem.
Absolut niemandem.
Jeder opfert dich im Notfall.
Dem eigenen Vorteil.
Dem Geld…

Dazwischen.
Ein tiefer Krater der Depression.
Finanzielle Not wie ich sie nie zuvor kannte.
Zwangsbeglückung.
Gepaart mit unerträglichem Zynismus.
Und bisweilen der Wunsch zu gehen.
Geheim.
Nicht aus der Wohnung.
Sondern aus dem Leben…
Bittere Erfahrungen.
Ich hätte gerne darauf verzichtet.
Auf so manche.
Aber das Leben fragt dich nie…
Das Leben hat seine eigenen Pläne.
Was waren im Vergleich dazu schon meine Träume?

Ich bin allein.
Und das ist gut so.
Niemand da, den ich nicht will.
Allein mit mir.
Oft.
Aber nicht immer.
Und das Wissen.
Ich habe es geschafft.
Die ärgste Not getilgt.
Neben der Tür ein Schlüsselboard.
Meine Schlüssel hängen dort.
Meine Schlüssel.
Sie gehören noch immer mir.
Und ich möchte sie nicht mehr hergeben.
Nie mehr!
Meine Wohnung.
Vielleicht kitschig.
Und sicher nicht nobel eingerichtet.
Schon gar nicht exklusiv.
Oder gar Ton in Ton…
Aber meine Wohnung.
Abbezahlt.
Von mir gewunschen.
Von mir gewollt.
Von mir ausgewählt.
Ich habe niemanden dafür gebraucht.
Gar niemanden!
Meine Entscheidung!

Versperrt.
Mein Domizil bleibt versperrt.
Für so manchen.
Für so manche.
Keine Hintertür…
Der Sturm hat mich übel zugerichtet.
Aber ich stehe noch.
Und ich gehe weiter.
Geborgen in meinem Heim.
Abgeschottet.
Aber sicher…
Ich weiß was ich will.
Und ich weiß was ich nicht will.
Und ich brauche niemanden, der mich beeinflusst.
Zum eigenen Vorteil.
Einredet was ich brauche.
Was ich möchte.
Was ich sollte…
Penetrant.
Ich wollte so froh sein hier.
Und glücklich.
Dabei bin ich härter geworden.
Sehr viel härter.
Ich muss mich vor den Steinen schützen…
Der eine oder andere traf mich hart.
Glück sieht anders aus.
Ich weiß.
Aber manchmal kann ich mich wieder freuen…

Vivienne

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