(Geschichte eines mir bekannten Paares)
Du siehst mich an.
Mit Sorge.
Obwohl du lachst.
Breit.
Und unecht.
Du streichelst mich.
Du küsst mich.
Zärtlich.
Und fast hektisch.
Und du hältst meine Hand.
Die ganze Zeit.
Als wolltest du mich nicht loslassen.
Nicht mehr.
Denn da könnte jemand kommen.
Ja.
Er könnte kommen.
Und mich holen.
Weg von dir.
Aus meinem Leben.
Denn ich bin krank.
Sehr krank.
Operationen.
Behandlungen.
Alles schmerzhaft.
Und ich fühle mich oft so verloren…
Aber ich stehe das durch.
Ich mache das alles.
Auch für dich.
Weil ich für dich lebe…
Was wären wir denn?
Ohne einander?
Du schenkst mir Tee ein.
Rückst mir das Kissen zurecht.
Dann öffnest du das Fenster.
Du lässt die Sonne herein.
Und das Zimmer.
Ist plötzlich hell durchflutet.
Es sieht ganz anders aus.
Nicht mehr wie ein Krankenzimmer.
In dem eine Frau um ihr Leben kämpft.
Die Frau bin ich.
Und es kann noch so viel passieren.
Bis ich es geschafft habe.
Bis ich diese Zeit hinter mir gelassen habe.
Wie einen bösen Traum…
Ich beobachte dich.
Während du die leeren Tassen wegräumst.
Du siehst müde aus.
Wenn du mir nichts vorspielst.
Müde.
Dein Gesicht.
Grau wie altes Papier.
Schweißtropfen auf der Stirn.
Und deine Augen…
Sie verhalten nur mühsam den Schmerz.
Du leidest.
Mit mir.
Und die Ohnmacht bisweilen.
Sie hat dir deinen Lebensmut geraubt.
Diese furchtbare Krankheit.
Sie hat uns herausgerissen.
Aus unserer heilen Welt.
Es ging auch über deine Kräfte.
Bisweilen.
Als ich auf einmal so krank wurde.
Aber du gibst nicht auf.
Du bist ein Kämpfer!
Weil du für mich lebst.
Stehst du auf.
Jeden Tag wieder.
Und schenkst mir ein wenig.
Von deiner Stärke.
Du hast nicht viel.
Aber du gibst, was du kannst…
Und darum stehen wir es durch.
Weil wir füreinander leben.
Weil wir nicht aufgeben.
Weil wir uns lieben…
Vivienne/Gedankensplitter
