Sonntagmorgengedanken

Verkehrslärm.
Ein Auto nach dem anderen.
Aber wenn ich genau hinhorche.
Da singt ein Vogel.
Fröhlich.
Und ziemlich unbeeindruckt.
Und die Wiese vor der schönen Villa.
Sie beginnt sich grün zu verfärben.
Immer mehr.
Die Birke trägt Blütenstände.
Und die Sonne wagt wieder einen Vorstoß.
Nie sieht das Grün aparter aus.
Als wenn es durch die Sonne ausgeleuchtet wird.
Ich schließe das Fenster wieder.
Die Sonne streichelt meine Seele.
Sanft und zärtlich.
Frühling.
Ich sehne mich danach.
Frühling in meiner Seele…

Gestern noch dachte ich über anderes nach.
Wenn ich heute gehen müsste…
Für immer… ?
Was hätte ich vorzuweisen?
Was hätte mich einzigartig gemacht?
Und besonders?
Und wer würde an meinem Grab stehen?
Nun.
Meine Familie wohl.
Der eine oder andere gute Freund.
Aber sonst?
Und was würde Bestand haben?
Von dem was ich getan habe?
Ich habe geschrieben.
Ich werde wohl immer schreiben.
Solange ich es vermag.
Solange ich klare Gedanken im Kopf habe…
Auch wenn es manch einer belächelt.
Ich kann damit leben.
Ich bin kein Star.
Ich muss auch keiner sein.
Keine Nachwelt wird nach mir krähen.
Aber das macht nichts.
Ich tue gern was ich tue.
Und darauf allein kommt es an…

Wer wird wohl um mich weinen?
Ehrlich und aufrichtig?
Nicht viele.
Aber die, die es tun, dafür von Herzen.
Und das tut gut…
Ich brauche keine Heuchler um mich.
Leute, die mir nach dem Mund reden.
Weil sie mich verloren haben.
Und die es nicht begreifen.
Nicht wahrhaben wollen.
Dass kein Weg zurückführen wird.
Schweigen ist auch eine Form von Tod.
Vielleicht sogar endgültiger…
Endgültiger als der Tod, der aus dem Leben reißt…
Aber was rede ich vom Tod?
Meine Zeit ist wohl noch nicht gekommen.
So denke ich zumindest.
Aber der Tod ist allgegenwärtig.
Und ich fühle ihn gut…

Ein Sonnenstrahl bricht sich im Prisma.
Tod gehört zum Leben.
Und manchmal birgt er Freude.
Auf Umwegen.
Wenn zwei Menschen wieder zusammenfinden.
Als Freunde.
Aus einem traurigen Anlass.
Zwei Menschen, die schon am Scheideweg standen.
Der Tod ist nicht endgültig.
Und manchmal schafft er neues Leben.
Neues Glück.
Knüpft ein festeres Band zu den Menschen.
Ich hoffe es.
Ich wünsche es mir.
Alte Fehler vermeiden.
Gereift erkennen was das Glück ist.
Und dass man es nicht mehr hergeben muss.
Wenn es erst in einem lebt…

Ein Kaktus hat Knospen getrieben.
Ich kann sie kaum zählen.
So viele sind es.
So unscheinbar stand er da.
Am Schlafzimmerfenster.
Seit fast einem halben Jahr.
Ohne große Ansprüche.
Und bald wird er blühen.
Kleine weiße Blüten.
Vielleicht auch rosige…
Stacheliger Geselle.
Und doch so viel Charme…
Wenn man ihm nicht zu nahe kommt.
Wenn man seine Grenzen respektiert…
Im Grunde ist er genau wie ich…

Vivienne/Gedankensplitter

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Keine Bewertungen)
Loading...

Leave a Comment