Ein bisschen Leben… – Gedankensplitter

Tobias seufzte.
Keine Musik im Auto.
Er war schlecht gelaunt.
Sehr schlecht…
Beate.
Sie lag im Spital.
Wieder.
Er hielt.
Vor der Ampel.
Beate.
Eine Kollegin.
Mehr als das.
Seit Jahren.
Waren sie befreundet.
Er und seine Frau.
Hatten oft.
Beate getroffen.
Und ihren Freund.
Grillen.
Ausflüge.
Radtouren…
Und seit bald drei Jahren.
Hatte Beate Krebs.
Brustkrebs.
Zunächst geheilt.
Aber bald darauf.
Metastasen in den Knochen…
Tobias schloss die Augen.
Fast verkrampft.
Lagen die Arme.
Auf dem Lenkrad.
Und nun.
Sah es so aus…
Die Lunge betroffen…

Nachts.
Zermarterte er sich den Kopf.
Immer wieder.
Wieso?
Konnte das Schicksal?
Oder was immer es war?
So grausam sein?
Reichte nicht ein Krebs?
Für ein Leben?
Kaum zu ertragen.
Aber am Schlimmsten.
Beates Optimismus.
Ich schaffe das.
Beteuerte sie.
Ich habe es.
Meinem Krebs versprochen.
Ich sterbe nicht.
An ihm.
Und außerdem…
Sie lächelte.
Mit leeren Augen.
Und eingefallenen Wangen.
Mein Kind…
Ich möchte erleben.
Wie es groß wird…

Tobias bog ab.
Fuhr in die Seitenstraße ein.
Fast schien es.
Als würde Beate.
Weniger leiden.
Als alle anderen…
Aber nur beinahe.
Er wusste das.
Manchmal.
Da gab es Momente.
Mit Schreikrämpfen.
Mit purer Verzweiflung.
Beate war am Ende.
Er wusste es.
Alle wussten es.
Und doch.
Sammelte sie ihre Kräfte.
Besiegte die Angst.
Vor dem Tod.
Zog sich aus dem Sumpf.
Von Schmerz und Leid.
Und nahm den Kampf auf.
Stets aufs Neue.
Ihr Widerstand.
Gegen die Krankheit…
Längst aussichtslos.
Jede Therapie.
Nur Verlängerung des Leidenswegs.
Aber sie klammerte.
Sich ans Leben.
Fast bewundernswert…
Tobias fuhr in die Garage.
Blieb sitzen.
Einen Moment.
Wenn sie nur.
Sterben könnte!
Der Gedanke.
War da.
Ganz plötzlich.
Wenn sie nur.
Sterben wollte…!

Vivienne/Gedankensplitter

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