Die Lüge – Gedankensplitter

Horst rührte im Müsli.
Alice hatte kein Wort gesagt.
Seit sie aufgestanden war.
Die Kaffeekanne.
Sie stand auf dem Tisch.
Das Körbchen mit dem Gebäck.
Ein wenig Schinken.
Butter.
Marmelade.
Selber.
Hatte sie schon gefrühstückt.
Ein halbes Semmerl.
Lag noch auf dem Teller.
Horst griff nach der Zeitung.
Blätterte…
Er räusperte.
Diese Politiker.
Einfach nur korrupt.
Findest du nicht?
Schweigen von Alice.
Er fixierte ihren Rücken.
Aber sie drehte sich nicht um.
Räumte den Geschirrspüler voll.
Horst stand auf.
Verdammt, Alice.
Es tut mir Leid.
Und…
Es ist passiert.
Bevor wir uns trafen.
Und eine Beziehung eingingen.
Ich kann es nicht ändern…

Alice drehte sich um.
Sie sah verbittert aus.
Ach ja?
Und sag mir doch…
Wie lange weißt du davon?
Wie lange?
Sie trat zum Tisch.
Auch Schweigen.
Ist eine Lüge.
Du wusstest es.
Die ganze Zeit.
Und du hast geschwiegen.
Mich dumm sterben lassen.
Sie hob ihre Stimme.
Und das Ärgste.
Alle wussten es.
Alle.
Außer mir.
Wenn sich nicht deine Schwester.
Verplappert hätte.
Neulich.
Wüsste ich es heute noch nicht!
Und du meinst.
Alles ist gut.
Wenn du sagst.
Es tut dir Leid?

Horst sah sie an.
Lange.
Du redest immer nur von dir!
Dass du verletzt bist!
Dass ich ein Lügner bin.
Seit Jahren.
Aber weißt du?
Wie schwer es war für mich?
Dass ich nie?
Zu meinem Kind stehen konnte?
Das ich?
Mit meiner Jugendliebe hatte?
Dass ich es dir verschwiegen habe?
Weil ich Angst hatte?
Angst?
Dich zu verlieren?
Alice wandte sich ab.
Tränen in den Augen.
Sie ging hinaus…
Horst stöhnte.
So ging das.
Seit letzter Woche.
Seit seiner Schwester.
Das Geheimnis entschlüpft war.
Ja.
Er hatte vier Kinder.
Drei mit Alice.
Und einen erwachsenen Sohn.
Mit einer alten Liebe.
War das so furchtbar?
Dass ihre Ehe?
Zu Bruch gehen musste?

Vivienne/Gedankensplitter

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