Gnadenfrist? – Gedankensplitter

Klemens.
Wälzte sich im Bett.
Hin und her.
Dann wieder lag er da.
Starrte an die Decke.
Seine Frau.
Lisbeth.
Merkte davon nichts.
Sie schnarchte leise.
Mit halb geöffnetem Mund.
Erst gestern Mittag.
Da war er aus dem Spital gekommen.
Entlassen.
Der Arzt.
Er war seinem Blick ausgewichen.
Noch ein Jahr.
Vielleicht.
Vielleicht auch nur ein halbes.
Klemens hatte geschluckt.
Sein Mund.
Er war ganz trocken gewesen.
Der Krebs.
Er hatte metastasiert.
Die Chemo.
Sie hatte nichts gebracht.
Gar nichts.
Obwohl sie furchtbar gewesen war.
Einfach furchtbar.
Alles Leid.
Umsonst.
Er würde sterben…

Lisbeth hatte geweint.
Lange.
Dann hatte sie gekocht.
Und er hatte gegessen.
Ein paar Bissen.
Um sie zu beruhigen.
Er wusste.
Das war ihr Weg.
Damit umzugehen.
Mit dem Unabänderlichen…
Die Angst.
Sie lag wie ein Stein.
In seinem Bauch.
Wie würde das wohl sein?
Wenn er tot war?
Aber noch schlimmer:
Wie würde er dahinsiechen?
Schmerzen?
Unerträgliche Schmerzen?
Trotz der Medikamente?
War es noch Wert zu leben?
So zu leben?
Wenn er nur mehr litt?
Und vielleicht bettelte?
Sterben zu können?
Bettelte?

Lisbeth weckte ihn.
Sie lächelte.
Mit traurigen Augen.
Frühstück ist fertig…
Frühstück.
Er musste doch eingeschlafen sein.
Irgendwann.
Kein Appetit.
Und Kaffee.
Durfte er keinen trinken.
Aber war es nicht egal.
Längst?
Er ging duschen.
Und sein Bild im Spiegel.
Erschreckte ihn.
Er war schmal geworden.
Und die Gesichtsfarbe.
Leicht gelblich.
Die Farbe des Todes.
Er wusste es…
Er trank Kaffee.
Minuten später.
Obwohl ihm speiübel davon wurde.
Er las in der Zeitung.
Schimpfte über die Politik.
Und Lisbeth…
Sie wirkte fast froh.
Sie umarmte ihn später.
Ihre Augen glänzten.
Gott sei Dank.
Sie sagte nichts.
Keine Gefühlsduselei.
Das.
Hätte er nicht ausgehalten.
Am Allerwenigsten!

Vivienne/Gedankensplitter

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