Fünfundzwanzig Jahre – Gedankensplitter

Gerda föhnte ihr Haar.
Mit der Bürste.
Heute Abend.
Da traf sie sich mit Freunden.
Ein Geburtstag.
Er wurde gefeiert.
Und sie würde ihn sehen.
Heinz.
Unwiderstehlich.
Graue Schläfen.
Eine randlose Brille…
Sie seufzte.
Hopp oder dropp!
Dachte sie.
Ich krieg ihn!
Oder er soll zur Hölle fahren…
Sie hielt inne…
Aber …
Sollte sie ihn wollen?
Wirklich?
Hatte das Sinn?
Sie biss sich auf die Lippen.
Heinz.
Ihre große Liebe.
Eigentlich einmal.
Vor über fünfundzwanzig Jahren…

Sie war sechzehn gewesen.
Und er neunzehn.
Verliebt beim Schülerball.
Und sie musste sich eingestehen.
So schön.
So zauberhaft.
Hatte sich verliebt sein nie mehr angefühlt.
Nachher.
Unschuldig.
Voller Magie.
Und so schön…
Sieben Jahre.
Hatte es gedauert.
Das Gefühl.
Es hatte sich verloren.
Nach und nach.
Heinz.
Er hatte eine andere.
Und sie.
Blieb auch nicht lange alleine…
Gerda rührte im Kaffee.
Gedankenverloren.
Sie hatte geweint.
Als Heinz sie verlassen hatte.
Aber noch mehr hatte sie geweint.
Ein paar Jahre später…

Heinz hatte sich gemeldet.
Unerwartet.
Sie in ein Restaurant eingeladen.
Gekommen war er.
Mit seiner Frau.
Und einem Freund.
Der sich um sie kümmern sollte.
Hauptgrund.
Eine Lebensversicherung.
Sie hatte getobt.
Keine Lebensversicherung.
Sie war abgerauscht.
Nach einer Stunde.
Verletzt…
Gerda lackierte die Fingernägel.
Heinz.
Er war abgehakt gewesen.
Bis vor drei Wochen.
Bei dem Kabarettabend…
Gerda betrachtet ihre Krallen.
Feuerrot.
Fünfundzwanzig Jahre.
Sie änderten einen Menschen.
Sie hatten auch sie geändert.
War es nicht so?
Sie wusste.
Was sie wollte.
Wusste es Heinz?
Wollte er seinen Vorteil?
Wieder?
Oder…
War er geläutert.
Auf der Suche nach der Frau.
Die er sein halbes Leben liebte…
Sie…

Gerda stand auf.
Verdammt.
Sie wusste es nicht.
Sie wusste nur.
Sie wollte Heinz.
Aber wollte sie…?
Die Konsequenzen?

Vivienne/Gedankensplitter

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