Ein schmaler Grad

Schnell ist es dunkel geworden.
Ich drehe das Licht an.
Zünde die Kerzen an.
Und meine Gedanken schweifen…
Wenn ich so nachdenke.
Jeder.
Hat so seine Vorstellungen.
Wie ich sein soll.
Wie ich sein muss.
Jeder.
Verbindet andere Pläne mit mir.
Wünsche.
Hoffnungen.
Ja.
Auch Forderungen.
Regelrecht.
Forderungen.
An mich und mein Leben.
Pläne und Wünsche.
Die sich widersprechen.
Allesamt.
Die besonders dem widersprechen.
Das ich selber möchte.
Das ich selber will.
Keiner fragt mich.
Aber jeder will etwas anderes.
Etwas ganz anderes…
Von mir.

Meine Orchidee.
Sie treibt viele Knospen.
Und eine.
Sie ist heute aufgegangen…
Es zermürbt.
All dem ausgesetzt zu sein.
Es macht müde.
Und kraftlos.
Ich befinde mich.
Auf dem schmalen Grad.
Zwischen all den Seiten.
Die auf mich einreden.
Die mich formen wollen.
Nach ihren Vorstellungen.
Aber ich balanciere.
Auf dem schmalen Grad.
Setze meine Schritte.
Vorsichtig.
Und gehe meinen Weg.
Finde meine Richtung.
Nähere mich meinen Zielen…

Ich bin müde.
Zu viel ist zuletzt passiert.
Viel zu viel.
Aber ich lasse mich nicht aufhalten.
Ich marschiere weiter.
Und ich bin erstaunt darüber.
Richtig erstaunt…
Ich habe mich verändert.
Ein Song tönt aus dem Radio.
Schon einige Jahre alt.
Und ich erinnere mich.
Wie einfach das Leben schien.
Damals.
Obgleich es das damals schon nicht war.
Wenn ich ehrlich bin.
Aber in diesen Tagen.
Stellt sich manches auf den Kopf.
Unliebsame Wahrheiten.
Sie treten plötzlich hervor.
Werden offensichtlich.
Täuschungen.
Selbstlügen.
Menschen.
Sie zeigen sich.
Wie sie sind.
Und nicht.
Wie ich sie sehen wollte.
So lange…

Ich habe genug.
Denke ich mir.
Ich habe genug.
Wann ist endlich Ruhe?
Wann komme ich zur Ruhe?
Wann kann ich anfangen?
Die Scherben zu sammeln?
Die Trümmer aufzulesen?
Um Ordnung zu machen?
In meinem Leben?

Vivienne

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