Ver-rückt

Anders als die anderen.
Das war ich immer.
Anders.
Seltsam.
Komisch.
So charakterisierte man mich.
Offen.
Oder hinter vorgehaltener Hand.
Ich litt darunter.
Ich wollte sein.
Wie die anderen.
Weil ich nicht wusste.
Dass mein Anderssein das Beste war.
Das mir passieren hatte können.
Ich bin anders.
Gott sei Dank.
Ver-rückt.
Im positivsten Sinn.
Dafür wurde ich geboren…

Ich wäre nie.
Die ich sein sollte.
Wäre ich angepasst.
„Normal“.
In der verachtungswürdigsten Form.
Die dieser Begriff umschreiben kann.
Ich bin verrückt.
Verrückt nach dem Besonderen.
Danach zu schreiben.
Denn für’s Schreiben lebe ich.
Ich bin verrückt.
Denn ich kümmere mich nicht mehr.
Was die Leute meinen.
Das ich hochhalten sollte.
Das ich leben sollte.
Denn ich lebe mein Leben
Mit allen Konsequenzen!
Ich bin verrückt.
Und habe doch.
Meine sechs Sinne vortrefflich beisammen.
Und lasse mir nichts vormachen.
Kein X für ein U.
Ich weiß, was ich weiß.
Ich lasse mir nichts einreden.
Ich durchschaue so manche Intrige.
Gegen meine Interessen.
Und ich werde nicht müde.
Zu reflektieren.
Über das Leben.
Über die Liebe.
Über die Menschen…

Freunde.
Ich habe nicht viele.
Aber die, die ich habe.
Dafür ganz fest.
Was abfallen muss fällt ab.
Deshalb.
Hole ich mir keinen faulen Apfel zurück.
Ich bin verrückt.
Und darum schreibe ich.
Während andere den Genuss suchen.
Ich suche nicht den Sinn des Lebens.
In übertriebenen Vergnügungen.
Lieber denke ich nach.
Und träume neue Welten.
Real fast wie meine.
Oder deine.
Und doch nur in meinem Kopf…
Ich bin verrückt.
Denn ich fühle das Böse.
Wenn es zu mir kommt.
Ich fühle es wie einen Sturm.
Der in mein Leben heult.
Wie ein wütender Wolf.
Ich spüre die Falschheit.
Und die Kälte der Menschen.
Lese aber auch das Leid in ihren Herzen.
Und die ungeweinten Tränen.
Ich kann sie in ihren Augen sehen.
Ich bin verrückt.
Denn ich weine niemandem nach.
Der aus meinem Leben fällt.
So manchen.
Habe ich selber hinausgeworfen.
Wer sich an meinen Früchten bedient.
Wird bald im Regen stehen.
Allein…
Ich bin verrückt.
Denn ich vergebe nicht.
Dem, der mich missbraucht
Die Rache ist mein.
Mein Privileg und Vorrecht.
Ich halte sie nicht hin.
Die andere Wange.
Ich schlage zurück…
Ich bin verrückt.
Denn ich glaube nicht an die Vergebung.
Ich halte nichts von Falschheit.
Und von gespielter Eintracht.
Aber ich glaube an die Vorsicht.
Und an den Eigennutz der anderen.
Und ich lasse mich nicht benutzen.
Nicht leicht.
Denn wer es wagt.
Der rennt bald gegen Mauern!

Ich bin verrückt.
Stur und unnachgiebig.
Und stolz.
Nicht auf Dauer bezwingbar.
Aber der beste Freund.
In unsicherer Sache.
Edelmütig und verlässlich.
Und voller Liebe.
Wenn es jemand verdient…
Irgendwie schizophren.
Ich weiß.
Nicht fassbar.
Unbegreiflich.
Eben ich.

Verrückt!

Vivienne/Feuerlilie

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