Mein Baby

Du siehst mich an.
Treuherzig.
Mit halb geöffnetem Maul.
Dann miaust du.
Empört.
Und noch einmal.
Was bin ich doch für ein grausames Frauchen!
Scheinst du mir zu sagen.
Aber dann springst du hoch.
Auf meinen Schoß.
Setzt dich hin.
Und dein Blick.
So voller Zärtlichkeit.
Erobert mich im Sturm.
Du schmiegst dich an mich.
Ganz eng.
Dann siehst du zufrieden aus.
Und glücklich…

Meine Katze.
Mein Baby.
Mein Kind.
Das ich nie haben werde…
So wie ich dich im Arm halte.
Da stelle ich mir vor.
Ich werde mich erinnern.
An dich.
An uns.
An diesen Moment.
Noch in vielen Jahren.
Ich im Pyjama.
Mit dem Schlafrock.
Und du.
In meinen Armen.
Mit deinem roten Halsband.
Mit der Schelle dran.
Du schnurrst laut.
Fast scheinst du zu lächeln.
Aber es sieht nur so aus.
Katzen lächeln nicht.
Oder?
Du hast dich auf meine Brust gelegt.
So wie es Babys tun.
Auch Katzenbabys.
Man hat dich früh weg.
Von deiner Mama.
Darum machst du das.
Immer wieder.
Weil dir viel Wärme fehlt.
Und Nähe.
Ich geb’ dir das jetzt!
Das was du brauchst.
So viel mehr als Futter…

Mein Baby.
Ich hab dich so lieb.
Manchmal.
Da kostest du mich viel Nerven.
Keine Frage.
Sogar jetzt.
In meinen Armen.
Da schweift dein Blick.
Bisweilen.
Und du sucht etwas.
Insekten!
Du siehst sie.
Lange bevor ich sie sehe.
Sie kannst du jagen.
Mit viel Geschick.
Mäuse.
Echte Mäuse.
Die gibt es nicht bei mir.
Also holst du dir.
Was du kriegst…
Pfeilschnell.
Bist du hinter den Insekten her.
Viel schneller.
Als ein echtes Baby.
Du bist erwachsen geworden.
Sehr schnell.
Und wirst doch ein Baby bleiben.
Mein Baby…

Vivienne

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