Gewitterstimmung

Sommernachmittag.
Die Menschen sind gereizt.
Sie brausen auf.
Oft wegen Kleinigkeiten.
Ich merke es auch an mir selber.
Ich zucke zusammen.
Ich presse die Lippen aufeinander.
Und möchte oft etwas sagen.
Wo ich normalerweise schweige.
Oder kaum mit den Schultern zucke.
Ich blicke aus dem Fenster.
Die Sonne steckt hinter Quellwolken.
Und es ist heiß.
Geradezu unerträglich.
Der Ventilator surrt.
Und trotzdem schwitze ich.
Dennoch rinnt der Schweiß.
Und ich fühle mich matt.
Ich würde gerne das Fenster öffnen.
Aber dann würde die Hitze hereinfluten…
Da bewegt ein Windstoß den Baum.
Schüttelt ihn hin und her.
Und auf einmal ist es duster geworden.

Ich trinke ein Glas Wasser.
Es schmeckt nicht kalt.
Gar nicht.
Eher lauwarm.
Obwohl ich das Wasser lange laufen ließ…
Ich stehe unter einer merkwürdigen Spannung.
Fast bin ich aggressiv.
Und ich reagiere heftiger.
Heftiger als ich will.
Ich verstehe mich selber nicht.
Aber ich zittere in Erinnerung.
In Erinnerung an den Streit.
Dabei ging es um nichts…
Ich blicke in den Spiegel.
Schweiß auf meiner Stirn.
Und ich fühle mich nicht wohl in mir.
Was geht nur vor in mir?
Ich begreife es nicht.
Bis ich wieder aus dem Fenster sehe.
Der Himmel zieht völlig zu.
Und der Wind ist heftiger geworden.
Ich schließe die Augen.
Stelle mir vor.
Wie der kühle Wind mich umschmeichelt.
Und meine Stirn kühlt.
Und mein Gemüt…

Leises Donnerrollen lässt mich aufhorchen.
Die Wolken sind grau.
Ich reiße das Fenster auf.
Energisch.
Die Hitze ist gewichen.
Der Wind fühlt sich seltsam an.
Nicht kalt.
Eher prickelnd.
Und ein Blitz zuckt über das graugraue Wolkenkonglomerat.
Kein Vogel zu hören.
Die Ruhe vor dem Sturm.
Fast glaube ich den Regen schon zu riechen.
Ganz sicher sogar.
Ich beuge mich weiter aus dem Fenster.
Dort vorne muss es schon regnen.
Regen.
Der der Hitze ein Ende setzt.
Regen.
Der meinen gequälten Körper labt.
Und meine erhitzte Seele…
Ein lauter Donner reißt mich aus den Gedanken.
Gleich darauf erhellt ein Blitz das Dunkel.
Meine Sehnsucht steigt.
In den Regen hinauslaufen.
Und ihn aufsaugen.
Mit allen Poren.
Nass werden.
Bis unter die Haut.
Aber anders als durch den Schweiß.
Ganz anders.
Belebend.
Befreiend.
Erlösend…

Vivienne/Feuerlilie

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